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St. Peter Port

Reisen

Guernsey … eine Insel zum Verlieben (Teil II)

August 8, 2016

A weider geet eis Rees duerch Guernsey. Haut huelen ech iech mat op St. Peter Port.

Weiter geht es, wie versprochen, auf Entdeckungsreise durch Guernsey, unser Urlaubsziel vor zwei Wochen. Heute nehme ich Euch mit auf einen Stadtbummel durch Guernsey’s Hauptstadt St. Peter Port.

Irgendwie habe ich mich sofort wohl gefühlt in der kleinen, beschaulichen Hauptstadt, fast wie zu Hause. Luxemburgs Hauptstadt ist zwar flächenmäßig etwa 8x größer als St. Peter Port, doch auch recht beschaulich und an einem Tag zu besichtigen. Außerdem gibt es in St. Peter Port viele Banken, niedrige Steuern machen den Offshore-Finanzplatz attraktiv. Etwa 32 Prozent des Bruttosozialprodukts von Guernsey werden durch Finanzdienstleister erwirtschaftet und wenn man mittags durch die Stadt bummelt, begegnet man vielen eiligen, jungen Leuten im Businesslook, die ihre Mittagspause in den Restaurants und Pubs verbringen. Wie gesagt, das kam mir alles sehr vertraut vor.

Unser Cottage lag auf der gegenüberliegenden Seite der Insel, etwa 15 Minuten Fahrt entfernt. Demnach war es kein Problem, den einen oder anderen Tag in der Stadt zu verbringen und auf Besichtigungstour zu gehen.

Bei unserem ersten Besuch, sonntags, fand gerade ein Strassenmarkt entlang des Hafens statt. Wie Ihr wisst, ziehen mich Märkte immer magisch an. Dieser Markt hatte aber so gar nix mit den Märkten zu tun, die ich z.B. aus Südfrankreich kenne. Stichwort “beschaulich”: es ging sehr gemütlich zu und die meisten Stände waren entweder von Privatleuten, die ihre selbst hergestellten Waren verkauften oder aber von Vereinen, Clubs, Hoteliers usw. Mademoiselle Merlanne war ganz eingenommen von den Cup Cakes, ich total beeindruckt von den Riesenchampignons, die ein lokaler Züchter anbot.

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Wisst Ihr übrigens, dass Guernsey seine eigenen Banknoten druckt? Natürlich kann auch mit dem Pfund Sterling bezahlt werden, doch irgendwie ist es doch exotischer, ein paar Guernsey-Noten im Portemonnaie zu haben. Man kann den Rest auf der Fähre zum Festland wieder umwechseln (oder in Chips und Schokolade investieren, wie die jungen Merlannes). Schmunzeln musste ich, als ich gelesen habe, dass das Konterfei der englischen Königin erst seit den 90iger Jahren auf einigen Scheinen zu sehen ist. Zuvor waren nur prominente Persönlichkeiten der Insel abgebildet. Die lange Weigerung der Insel, die Königin abzubilden, mag mit der anti-royalistischen Stimmung auf der Insel zu tun haben. Sie sind schon etwas eigen, die sympathischen “Guernseyaner”.

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Früher, als Untertanen des Herzogs der Normandie, sprachen die Bewohner der Inseln ein mittelalterliches Französisch, “Norman French” genannt. Dieses normannischen Patois hat sich bis heute erhalten und wird, wie man auf dem Stadtplan lesen kann, weiterhin gepflegt. Auch Französisch ist sehr präsent und viele Orts- und Straßennamen und auch Familiennamen sind französisch oder haben einen französischen Ursprung. Es wird aber heute überwiegend Englisch auf der Insel gesprochen.

Mir persönlich wird unser Besuch im Hause Victor Hugos bestimmt noch lange in guter Erinnerung bleiben. Der französische Schriftsteller musste Frankreich schnellstmöglich verlassen, nachdem er es nicht so toll fand, als Napoleon Bonaparte sich 1851 an die Macht putschte und sich ein Jahr später die Kaiserkrone aufsetzte. Mit den Worten “Weil wir Napoleon den Großen gehabt haben, sollen wir nun Napoleon den Kleinen haben?” sollte der Autor von “Les Misérables” (das er übrigens auf Guernsey geschrieben hat) den Staatsstreich kommentiert haben. 15 Jahre lebte er in Guernsey im Exil.

Das weiß getünchte “Hauteville House” über den Dächern von St. Peter Port ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Ich war hin und weg zu entdecken, dass Monsieur Hugo nicht nur ein begnadeter Schriftsteller war, sondern ebenfalls ein phantasievoller Heimwerker. Aus alten Holzkoffern wurden Wandvertäfelungen oder eigenwillige Möbelstücke. Die englische Art und Weise, die Wände mit Stoff zu beziehen, hat Victor Hugo noch weiter entwickelt, indem er auch verschiedene Zimmerdecken mit Stoff tapezierte. Das Speisezimmer schmücken Delfter Kacheln, die ein paar Mal in Form des Buchstaben H angeordnet sind. Am besten gefallen hat mir aber Hugos lichtdurchflutete Arbeitszimmer mit der grandiosen Aussicht aufs Meer. Natürlich, wie kann es anders sein, gibt es auch einen prachtvollen Garten, in dem Grand-Papa Hugo gerne mit seinen Enkelkindern spielte. Auch nachdem er wieder nach Frankreich zurückgekehrt war, hat der das wunderschöne Haus in Guernsey behalten und auch noch mehrmals besucht.

Das Haus wird heute von der Stadt Paris verwaltet und man muss sich für die Führungen im Vorfeld anmelden.

Ein anderer Garten, oder besser gesagt Park, durch den man als Blumenliebhaber unbedingt spazieren muss, ist der kleine preisgekrönte Park “Candie Gardens“. Hier gedeihen botanische Raritäten wie Ginkgobaum und Palmfarn und man trifft auf eines der ältesten erhaltenen Gewächshäusern aus dem späten 18. Jahrhundert. Das Guernsey Museum und Kunstgalerie und die Priaulx Bücherei befindet sich ebenfalls in der Parkanlage.

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Dem Hafen vorgelagert ist die Burg “Castle Cornet“, eine altertümliche Festung, die die Stadt und den Hafen von St. Peter Port für beinahe acht Jahrhunderte schützte. Im Innern der Burg befinden sich fünf Museen, die die umfangreiche und wechselhafte Geschichte der Festung und auch der Guernseys, wiedergeben. Es gibt Theateraufführungen, Aktivitäten für Kinder sowie Führungen und jeweils zur Mittagszeit feuern Soldaten in Kostümen des 19. Jahrhunderts einen Salutschuss ab (da kann man mal erschrecken, wenn man es nicht weiß, so wie ich).

Unweit der Burg gibt es ein Aquarium und Merlanne Junior wollte unbedingt dorthin, nachdem wir ihn zu all den anderen “langweiligen” Besichtigungen “gezwungen” hatten. Leider waren wir sehr enttäuscht, scheint das in einem Tunnel liegende Aquarium zur Zeit nicht sehr gut unterhalten zu sein. Es gab schon ein paar interessante Fische und Reptilien zu bewundern, doch waren die Becken ziemlich verschmutzt und die Beschriftung teilweises nicht vorhanden. Schade!

Zum Schluss nehme ich Euch mit auf eine kleine Shoppingtour. St. Peter Port ist wahrlich kein Paradies für Shopping-Queens, da eignen sich Paris oder London besser, doch es gibt viele hübsche, liebevoll eingerichtete Lädchen, in denen sich das eine oder andere Inselsouvenir ergattern lässt.

Nicht verpassen dürft Ihr den “National Trust of Guernsey Victorian Shop“, 26 Cornet Street (auf dem Weg zum Hauteville House). Es gibt Postkarten, Veilchenbonbons, Häkeldeckchen und viel, viel Schönes mehr. Außerdem bekommt man einen Einblick, wie die Geschäftsleute zu Zeiten Queen Victorias gelebt haben.

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So, damit endet die Stadtrundfahrt durch St. Peter Port. Ich hoffe es hat euch gefallen und ihr kommt wieder vorbei, wenn es heißt “Guernsey … eine Insel zum Verlieben (Teil III)”.

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Reisen

Guernsey … eine Insel zum Verlieben (Teil I)

August 5, 2016

No enger Woch Rou a frëscher Land- a Mieresloft hat kee méi Loscht fir heemzefueren. Guernsey … mir kommen zréck!

Die letzte Wochen war es ruhig hier. Nun, den Grund habe ich schon angedeutet: wir waren unterwegs und das unter anderem in Guernsey.

Ein Woche Inselleben, das lässt einen den Alltagsstress und alle Sorgen im Nu vergessen. Als wir im uns im Winter überlegt haben, wohin es in den langen Sommerferien gehen sollte, da kam mir sofort Guernsey in den Sinn. Seit längerem stehen die Kanalinseln schon auf meiner “Da will ich mal hin”-Liste und nachdem wir immer noch gerne an unseren Englandurlaub von vor zwei Jahren denken, war die Entscheidung schnell getroffen.

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Von St. Malo, bei wolkenbehangenem Himmel, ging es mit der Fähre nach Guernsey. Beim Einlaufen unter blauem Himmel in Guernsey’s Hauptstadt St. Peter Port wusste ich sofort “Hier wird es uns gefallen”. Schiffe, Meer und Häfen, das sind Zutaten, die bei fast keinem unserer Reiseziele fehlen dürfen.

Guernsey ist die zweitgrößte Kanalinsel und gehört, wie alle anderen Normanischen Inseln weder zum Vereinigten Königreich noch ist sie eine Kronkolonie. Die Kanalinseln sind direkt als Kronbesitz der britischen Krone unterstellt. Sie sind auch nicht Teil der EU und demnach ist der viel diskutierte Brexit hier kein Thema.

Guernsey ist ein wahres Blumenparadies, also genau das Richtige für mich. Unter dem Einfluss des Golfstroms und aufgrund ihrer geschützten Lage im Golf von St. Malo hat die Insel ein mildes, fast mediterranes Klima. Das “fast” mediterran ist wörtlich zu nehmen, denn richtig heiß war es (gottseidank) die ganze Woche unseres Aufenthalts nicht und ab und zu fiel ein kleiner Nieselregen. Eines war aber auch sicher: nach  kurzem Regen folgte immer die Sonne und so waren wir durchaus zufrieden.

Palmen und Bananenstauden vermitteln Karibikflair, Ginster, Nelken, Glockenblumen, Fingerhut, Hortensien und Lilien erinnern jedoch daran, dass wir noch recht nahe an zu Hause sind. Wie Ihr auf den Bildern sehen könnt, sind die Einwohner leidenschaftliche Gärtner und an allen Ecken blüht es in den schönsten Farben.

Im 19. Jahrhundert war der Export von Schnittblumen übrigens ein sehr wichtiger Wirtschaftszweig auf Guernsey und vor allem die Guernseylilien, die eigentlich aus Südafrika stammen, waren sehr begehrt. Heute haben sich die Gärtner eher auf die Zucht von Fresien spezialisiert und diese kann man dann auch überall kaufen.

Perelle Bay bei Ebbe

Perelle Bay bei Ebbe

Im Norden der Insel hatten wir uns ein kleines Cottage in Perelle Bay gemietet. Außer dem Gekreische der Möwen und  einem gelegentlichen “Muh” von Nachbars Kühen hat man nicht viel gehört. Das war genau das, was wir gesucht hatten: Ruhe! Von hier aus haben wir die Insel in allen Himmelsrichtungen erforscht.

Mit zehn Metern Differenz zwischen Ebbe und Flut gehören die Gezeiten auf den Kanalinseln zu den stärksten der Welt. So sah der Strand in Perelle Bay bei Ebbe aus, bei Flut stand das Meer an der Mauer. Das Wasser ist wunderschön türkisblau und für “Helden” wie die beiden männlichen Merlannes warm genug, um sich darin zu baden. Mich hat jedoch niemand in die gerade mal 18°C kalten Fluten locken können.

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Wirklich shoppen gehen kann man in Guernsey nur in St. Peter Port, aber bei uns um die Ecke gab es doch tatsächlich einen Metzger. Was wir sonst noch brauchten, haben wir uns an der Dorftankstelle geholt.

Doch dieser Umstand führt zu einem ganz anderen Shoppingerlebnis: die “Hedge Vegs” (“vegetables in a hedgerow”). Überall stehen am Straßenrand Kästen mit Gemüse, Eiern, Blumen oder selbstgemachter Marmelade und Chutneys. Man nimmt sich was man braucht und zahlt in die Geldbox, die daneben steht. Ein System, das auf die Ehrlichkeit der Kunden vertraut (die Verkaufsstände werden auch “Honesty Boxes” genannt) und scheinbar gut klappt. Ich bin jetzt noch begeistert von so viel Vertrauen in die Mitmenschen.

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Guernsey hat noch weiter sehr viele interessante Eigenheiten und Sehenswürdigkeiten. Davon erzähle ich Euch dann demnächst in Teil II von “Guernsey … eine Insel zum Verlieben”.