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Luxemburg

Luxemburg, Ostern

Osterspaziergang über die “Éimaischen”

April 23, 2019

(Dieser Artikel enthält Werbung, unbeauftrag, unbezahlt, nur weil es mir gefällt.)

Gestern hat die Sonne mal wieder um die Wette gestrahlt, es war der letzte Tag der Osterferien und in der Stadt fand, wie schon seit fast 200 Jahren, die traditionelle Éimaischen statt: für Mademoiselle Merlanne und mich war da schnell klar, dass wir uns nach dem Frühstück auf den Weg in die Altstadt machen.

Ich habe schon ein paarmal an dieser Stelle auf den schönen Handwerkermarkt hingewiesen, der jedes Jahr an Ostermontag in der Altstadt Tausende von Einheimische und Touristen in die Stadt lockt.

Stars der Éimaischen sind unangefochten die Péckvillercher, bunte kleine Vögel aus Ton, auf denen man in allen Tönen pfeifen kann. Ich wage einfach mal zu behaupten, es gäbe in Luxembourg keinen Haushalt, der nicht mindestens einen solchen Péckvillchen sein Eigen nennt. Ich habe mir auch sagen lassen, dass sogar manche Sammler aus der ganzen Welt sich jedes Jahr an Ostermontag auf dem Fischmarkt oder in Nospelt (wo ebenfalls eine Éimaischen stattfinden, auf der die Nospelter “Aulebäcker” die echten, aus Nospelter Lehm geformten Péckvillercher verkaufen) ein Stelldichein geben, um die schönsten limitierte Editionen des Jahres zu ergattern.

Mein Favorit dieses Jahr war dieser hübsche Buntspecht, von dem ich mir dann auch prompt ein Exemplar mit nach Hause nahm.

Bunt hieß die Farbe des Tages und es gab nicht nur Péckvillercher zu bewundern und zu kaufen sondern auch, passend zum Osterfest, wunderschön gefärbte Eier …


… Eierbecher in allen Formen und Farben …

… oder anderes Kunsthandwerk und “Selbstgemachtes”. Mein DIY-Herz hat so manchen Freudensprung gemacht.

Wenn ich so durch unsere schöne Hauptstadt spaziere, schaue ich öfter auch mal nach oben. Es gibt so viele schöne Fassaden, die einem gar nicht auffallen, wenn man nur Schaufenster guckt.

Und ich lasse mich gerne immer wieder überraschen von neuen Graffitis, die die Wände der Stadt abwechselnd schmücken. Mademoiselle Merlanne war ganz beeindruckt vom Projekt #universalhumanity des Luxemburger Self-made-Künstlers Thomas Iser, dessen Fotopuzzles die Vielfalt der Menschheit auf eindrucksvolle Weise feiert. Oder aber die farbstarken Graffitis unseres Nationaltaggers (smile) Sumo, die ich sehr mag.

Bei diesem schönen Wetter war das “Wohnzimmer” der Stadt, die “Plëss” (Place d’Armes) natürlich proppenvoll, und wer einen Tisch zum Mittagessen ergattern wollte, musste sich in Geduld üben und Schlange stehen. Mademoiselle und ich haben es vorgezogen, zum Essen nach Hause zu fahren. Es war ein schöner Ausflug, gerne nächstes Jahr wieder.

Lasst es Euch gutgehen!

Claudine


Luxemburg, Reisen

Eine Reise in die Vergangenheit (Cockerillmine im Ellergronn)

Juni 14, 2017

Geet et Iech och esou wéi mir? Do reest een duerch déi ganz Welt an déi flott an interessant  Sehenswierdegkeet vun doheem kënnt een net. Sou ass et mir ergaangen beim leschten Ausflug vun eisem Fotoscours.

(Post enthält unbeauftragte und unvergütete Werbung)

Geht es Euch manchmal auch so wie mir? Da reist man durch die ganze Welt und die interessantesten Sehenswürdigkeiten zuhause kennt man nicht. So geschehen vor ein paar Wochen auf einem unserer letzten Ausflüge vom Fotokurs, den ich dieses Schuljahr besuchte. Ein Mitschüler schlug vor, auf dem Gelände der Cockrillmine im Südwesten von Esch-sur-Alzette auf Bilderjagd zu gehen. Ich muss sagen, ich war begeistert, von der Idee und vom Gelände und dem Museum.

Heute würde man annehmen, Luxembourg verdanke seinen Reichtum dem Bankenwesen, doch dem ist nicht so. Luxembourg verdankt seinen Reichtum vor allem der mächtigen Eisen- und Stahlindustrie, die ihre Glanzzeit Mitte des letzten Jahrhunderts erlebte und die seit der Stahlkrise in den 70er Jahren an Bedeutung verloren hat.

Heute sind die Minen geschlossen, die Hochöfen erloschen und es bleiben die vielen interessanten und besuchenswerten Industriebrachen aus der Stahlindustriezeit. Kommt mit auf eine Reise in die Vergangenheit!

Die Cockerillgrube im Südwesten von Esch-sur-Alzette hatte eine große Bedeutung für den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes. Sie war auch die einzige Grube in Luxemburg, die über einen Förderschacht verfügte. Der Abbau der „Minette“, dem in der Gegend vorkommenden Eisenerz, erfolgte sonst üblicherweise über Stollen.

Oben die alte Diesellock mit ihren offenen Wagen, mit der die Arbeiter jeden Tag auf ihre mühselige Schicht gefahren wurden.

Abgebaut wurde die “Minett” in der Cockerillmine von 1881 bis 1967. Nach ihrer Schließung verfiel die Anlage zusehends. Es ist den eifrigen Händen einer engagierten Schar von ehemaligen Kumpeln zu verdanken, die sich im gemeinnützigen Verein “Entente Mine Cockerill” zusammengeschlossen haben, dass das Gelände sowie die teilweise verfallenen Gebäude wieder hergerichtet wurden und heute den Besuchern zugänglich sind.

Leider war bei unserem Besuch am Abend der Stollen schon geschlossen. Aus dem dunklen Tunnel entwich eine eisige Kälte, die man trotz warmen Außentemperaturen sehr gut spüren konnte.

In diesem Haus ist ein kleines Grubenmuseum untergebracht, welches eine mit viel Liebe zum Detail zusammengetragene Sammlung von u.a. Werkzeugen der Bergleute beherbergt.

An langen Seilen hängt die Arbeiterkluft aus alten Tagen. Es ist, als wären die Kumpel gerade erst nach Hause gegangen.

Um nicht total dreckig bei den Lieben aufzutauchen, gab es die Möglichkeit, sich an langen Trögen den Schmutz des Tages abzuwaschen. Ich kann mir vorstellen, welche Wohltat dies gewesen sein muss.

Es gibt sogar ein altes Fahrrad zu bewundern. Wem dies wohl gehört hat?

Besonders beeindruckt hat mich die mit viel Leidenschaft und Liebe zusammengestellte Sammlung an alten Maschinen, vom einfachen Handbohrer bis zu den moderneren Pressluftgeräten der 60er Jahre. Es gibt Bohrer, Grubenlampen, Schutzhelme, Sirenen, elektrische Messgeräten, Batterien und viele Werkzeuge zu bewundern.

Ich konnte mir nicht verkneifen zu denken, dass all diese Geräte auch heute bestimmt noch funktionieren und dass, wenn sie mal kaputt gingen, es noch Ersatzteile gab und Menschen, die sie reparierten. Wenn heute was kaputt geht (und das oft recht schnell), ist das meiste Zeug nicht mehr zu reparieren oder aber es gibt keine Ersatzteile mehr. So was treibt mich regelmäßig in den Wahnsinn und ich ärgere mich grün und blau, wenn ich Neues kaufen muss anstatt Altes reparieren zu lassen.

Das Museum, das auch mit vielen Fotografien und Dokumenten aus der damaligen Zeit vom anstrengenden Alltag der Bergleute erzählt, kann täglich von 8:30 Uhr bis 11:30 Uhr besichtigt werden, der Eintritt ist frei.

Und wer dann schon mal da ist, sollte unbedingt eine kleine Wanderung durch das umliegende Naturschutzgebiet „Ellergronn“ mit einplanen. Hier wurde von der Forstverwaltung ein drei Kilometer langer Naturlehrpfad angelegt, auf dem den Spaziergängern auf vielen Schautafeln das Besondere dieser Landschaft näher gebracht wird. Nachdem die Grube geschlossen wurde, hat sich die Natur das Gelände zurückerobert, was mit einer beeindruckenden Artenvielfalt einher geht.

Na, habe ich Euch neugierig gemacht?  Als Ausflugsziel für diesen Sommer kann ich Euch den “Ellergronn” und die “Cockerillmine” auf jeden Fall  wärmstens empfehlen.

Lasst es Euch gutgehen!

Claudine