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Luxemburg, Reisen

Eine Reise in die Vergangenheit (Cockerillmine im Ellergronn)

June 14, 2017

Geet et Iech och esou wéi mir? Do reest een duerch déi ganz Welt an déi flott an interessant  Sehenswierdegkeet vun doheem kënnt een net. Sou ass et mir ergaangen beim leschten Ausflug vun eisem Fotoscours.

Geht es Euch manchmal auch so wie mir? Da reist man durch die ganze Welt und die interessantesten Sehenswürdigkeiten zuhause kennt man nicht. So geschehen vor ein paar Wochen auf einem unserer letzten Ausflüge vom Fotokurs, den ich dieses Schuljahr besuchte. Ein Mitschüler schlug vor, auf dem Gelände der Cockrillmine im Südwesten von Esch-sur-Alzette auf Bilderjagd zu gehen. Ich muss sagen, ich war begeistert, von der Idee und vom Gelände und dem Museum.

Heute würde man annehmen, Luxembourg verdanke seinen Reichtum dem Bankenwesen, doch dem ist nicht so. Luxembourg verdankt seinen Reichtum vor allem der mächtigen Eisen- und Stahlindustrie, die ihre Glanzzeit Mitte des letzten Jahrhunderts erlebte und die seit der Stahlkrise in den 70er Jahren an Bedeutung verloren hat.

Heute sind die Minen geschlossen, die Hochöfen erloschen und es bleiben die vielen interessanten und besuchenswerten Industriebrachen aus der Stahlindustriezeit. Kommt mit auf eine Reise in die Vergangenheit!

Die Cockerillgrube im Südwesten von Esch-sur-Alzette hatte eine große Bedeutung für den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes. Sie war auch die einzige Grube in Luxemburg, die über einen Förderschacht verfügte. Der Abbau der „Minette“, dem in der Gegend vorkommenden Eisenerz, erfolgte sonst üblicherweise über Stollen.

Oben die alte Diesellock mit ihren offenen Wagen, mit der die Arbeiter jeden Tag auf ihre mühselige Schicht gefahren wurden.

Abgebaut wurde die “Minett” in der Cockerillmine von 1881 bis 1967. Nach ihrer Schließung verfiel die Anlage zusehends. Es ist den eifrigen Händen einer engagierten Schar von ehemaligen Kumpeln zu verdanken, die sich im gemeinnützigen Verein “Entente Mine Cockerill” zusammengeschlossen haben, dass das Gelände sowie die teilweise verfallenen Gebäude wieder hergerichtet wurden und heute den Besuchern zugänglich sind.

Leider war bei unserem Besuch am Abend der Stollen schon geschlossen. Aus dem dunklen Tunnel entwich eine eisige Kälte, die man trotz warmen Außentemperaturen sehr gut spüren konnte.

In diesem Haus ist ein kleines Grubenmuseum untergebracht, welches eine mit viel Liebe zum Detail zusammengetragene Sammlung von u.a. Werkzeugen der Bergleute beherbergt.

An langen Seilen hängt die Arbeiterkluft aus alten Tagen. Es ist, als wären die Kumpel gerade erst nach Hause gegangen.

Um nicht total dreckig bei den Lieben aufzutauchen, gab es die Möglichkeit, sich an langen Trögen den Schmutz des Tages abzuwaschen. Ich kann mir vorstellen, welche Wohltat dies gewesen sein muss.

Es gibt sogar ein altes Fahrrad zu bewundern. Wem dies wohl gehört hat?

Besonders beeindruckt hat mich die mit viel Leidenschaft und Liebe zusammengestellte Sammlung an alten Maschinen, vom einfachen Handbohrer bis zu den moderneren Pressluftgeräten der 60er Jahre. Es gibt Bohrer, Grubenlampen, Schutzhelme, Sirenen, elektrische Messgeräten, Batterien und viele Werkzeuge zu bewundern.

Ich konnte mir nicht verkneifen zu denken, dass all diese Geräte auch heute bestimmt noch funktionieren und dass, wenn sie mal kaputt gingen, es noch Ersatzteile gab und Menschen, die sie reparierten. Wenn heute was kaputt geht (und das oft recht schnell), ist das meiste Zeug nicht mehr zu reparieren oder aber es gibt keine Ersatzteile mehr. So was treibt mich regelmäßig in den Wahnsinn und ich ärgere mich grün und blau, wenn ich Neues kaufen muss anstatt Altes reparieren zu lassen.

Das Museum, das auch mit vielen Fotografien und Dokumenten aus der damaligen Zeit vom anstrengenden Alltag der Bergleute erzählt, kann täglich von 8:30 Uhr bis 11:30 Uhr besichtigt werden, der Eintritt ist frei.

Und wer dann schon mal da ist, sollte unbedingt eine kleine Wanderung durch das umliegende Naturschutzgebiet „Ellergronn“ mit einplanen. Hier wurde von der Forstverwaltung ein drei Kilometer langer Naturlehrpfad angelegt, auf dem den Spaziergängern auf vielen Schautafeln das Besondere dieser Landschaft näher gebracht wird. Nachdem die Grube geschlossen wurde, hat sich die Natur das Gelände zurückerobert, was mit einer beeindruckenden Artenvielfalt einher geht.

Na, habe ich Euch neugierig gemacht?  Als Ausflugsziel für diesen Sommer kann ich Euch den “Ellergronn” und die “Cockerillmine” auf jeden Fall  wärmstens empfehlen.

Lasst es Euch gutgehen!

Claudine

Reisen

Hinter Mauern – Fontaine-Henry in der Normandie

September 23, 2016

 

Dëse Summer si mer vill gereest a woren ënner anerem op Besuch am pittoresken Duerf Fontaine-Henry an der Normandie.

Den Sommer haben wir dieses Jahr hauptsächlich nicht zu Hause genossen, sondern unser Reisefieber hat uns an die verschiedensten Orte geschickt, an die ich mich jetzt noch mit Begeisterung erinnere.

So haben wir nach der Woche Inselurlaub auf Guernsey, über den ich schon ausführlich hier bei “merlanne” berichtet habe, eine Woche lang die Normandie bereist. Obwohl wir absolute Frankreich-Fans sind, kannten weder Monsieur Merlanne noch ich die Region und wollten dies schon immer mal nachholen. Monsieur Merlanne ist unser Urlaubsplaner. Man muss sich das so vorstellen: im Winter plagt uns die Sehnsucht nach Sonne und Abenteuer recht schlimm und so überlegen wir uns schon in den ersten kalten Tagen, wohin es im nächsten Sommer hingehen soll. Wenn wir uns dann mehr oder weniger auf verschiedene Ziele geeinigt haben, sitzt Monsieur Merlanne abends stundenlang am Rechner und schaut sich die Gegenden an, sucht nach schönen und erschwinglichen Übernachtungs- möglichkeiten, informiert sich, was man unbedingt besuchen muss und macht die nötigen Buchungen.

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Dieses Jahr, finde ich, hatte Monsieur ein gutes Händchen bei der Suche nach schönen Orten,  an denen man gerne verweilt. Für die Normandie war seine Wahl auf Fontaine-Henry gefallen und schon auf dem Weg durch die vielen Felder und Wälder zum entlegenen Dorf wusste ich, dass es uns hier gefallen wird.

Was haben wir gestaunt, als wir durch das etwa 470 Seelen zählende Dorf fuhren: fast alle Häuser verstecken sich hinter hohen ockerfarbenen Mauern, keine Menschenseele war auf den Strassen und wir haben uns gefragt, ob überhaupt hier jemand wohnt. Die Stimmung war schon etwas eigenartig, denn auch als ich ein paar Tage danach durch das Dorf streunte, begegenete ich so gut wie niemandem. Hinter den hohen Mauern hörte ich jedoch fröhliches Lachen, herrlicher Kuchenduft strömte durch ein Fenster und irgendwo spielte Musik aus einem Radio. Es gibt in dem Dorf eine Schule, eine Kirche, ein Rathaus … doch im August sind wahrscheinlich viele der Einwohner ebenfalls “ausgeflogen” und machen Urlaub an anderen schönen Orten.

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Gewohnt haben wir im Gîte vom kleinen Gasthaus “Clos de la Valette“, einem zauberhafter Ort. Véronique und Jean-Claude Cayeux führen das mit Gecschmack eingerichtete Gästehaus seit etwa vier Jahren mit viel Liebe und Idealismus. Der Garten lädt zum Verweilen ein, insbesondere da außer Vogelgezwitscher und Blätterrauschen nichts die herrliche Stille stört. Morgens tischt der sympathische Monsieur Cayeux die herrlichsten Spezialitäten zum Frühstück auf, es gibt selbstgemachte Marmelade und noch ofenwarmen Kuchen, Milchreis (Teurgoule normand … Mmmmmh) und Clafoutis mit frischen Beeren, Rhabarber oder Aprikosen, Ziegenkäse und frische Weinpfirsische. Wo war doch gerade das Schlaraffenland?

Monsieur Cayeux hat uns auch darüber aufgeklärt, wieso hier alle Gebäude mit dem ockerfarbenen Stein gebaut sind. Es handelt sich um den in der Region abgebauten Kalkstein “pierre de Caen“. Es gibt ein Sprichwort, das sagt „Der Caennaiser Kalkstein lässt sich schnitzen wie Holz und ist hart wie Granit“ und er wurde unter anderem auch benutzt, um Teile der Westminster Abbey oder dem Windsor Castle zu bauen.

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Ah, das Fenster steht offen … da scheint jemand zu Hause zu sein.

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Im Dorfkern steht dieses wahrhaft märchenhaft anmutende Haus mit seiner blühenden aus Stein gehauenen “Baumfassade”.

An der Route des Marais findet man eine noch fast intakte Wassermühle. Als ich klein war, träumte ich davon später entweder in einer Mühle oder in einem Leuchtturm zu leben. Dies wäre ein idealer Ort gewesen.

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Es gibt ein altes Waschhaus …

… üppige Gärten …

… und natürlich viele Mauern und verschlossene Türen.

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Ebenfalls aus Kalkstein ist das denkmalgeschützte Schloss “Château de Fontaine-Henry” am Rande des Dorfes. Der in verschiedenen Stilen gebaute Bau ist seit mehr als 10 Jahrhunderten im Besitz der gleichen Familie und heute noch bewohnt. Seine bis zu 15 Meter hohen schwindelerregenden Dächer gehören zu den höchsten Frankreichs. Es lohnt sich allemal, eine der geführten Besichtigungen mitzumachen, den interessanten Geschichten zuzuhören und durch die mit Liebe erhaltenen Räume zu wandeln. Beeindruckt haben mich die Gemäldesammlung (Tizian, Rubens, …), das schöne Porzellan und die vielen Erinnerungsstücke, die überall ausgestellt sind. Der heutige Besitzer, der Marquis d’Oilliamson, behauptet mit Recht, dass es eine große Verantwortung und viel Arbeit ist, ein solch geschichtsträchtiges Gebäude in Schuss zu halten.

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Wie ihr seht, ist Fontaine-Henry alleine schon ein Besuch wert, doch ist es auch der ideale Ausgangsort, um die Strände der Normandie (Juno Beach, Omaha Beach,…) zu besuchen, an denen die Alliierten einst landeten sowie die vielen Museen aus dieser düsteren Zeit. Für die Kinder gab es diese Urlaubswoche Geschichtsunterricht “zum Anfassen” und ich habe zu meiner Freude nie die Aussage “oh ist da langweilig” gehört.

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Na, habe ich Euch neugierig gemacht? Wie sagt man so schön “Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub” und wer weiß, vielleicht konnte ich ja den einen oder anderen für die nächste Urlaubsplanung inspirieren.

Doch auch wenn demnächst kein Urlaub ansteht, so stehen noch sonnige Tage vor der Tür. Ich wünsche Euch ein herrliches Herbstwochenende!

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